Bessere Spiele, echt jetzt!

Über meine TL kam ich zu einem kleinen Text auf heise.de (Lesen nur empfohlen wenn ihr u.a. das übliche Blabla ertragen könnt, warum Anita Sarkeesian Spiele falsch kritisiert und die Sexismus-Debatte überzogen sei), welchen ich zum Anlass nahm, mal in dieser Sache mein bißchen Senf dazuzugeben. Hier also mein Kommentar so wie ich ihn auch im Forum da gepostet hab:

„also ausgerechnet an solchen, die insgesamt das Mittel der Satire
und Überzeichnung nutzen“
— Ach, echt? Ja daaaann..! Wenn es Satire und Überzeichnung ist,
dann ist es ja direkt nicht mehr sexistisch, gell? Ich bin auch total
sicher dass alle, die GTA & Co. spielen, sich im ‚echten Leben‘
kritisch und engagiert gegen Sexismus betätigen und genau wissen,
dass Rockstar alles, was sie da so darstellen, in der Realität
höööööchst bedenklich fänden.

„Ihr Herauspicken sexistischer Szenen aus teils komplexen
Zusammenhängen“
— Oooh, komplexe Zusammenhänge! GTA besteht also nicht zu 100% aus
Sexismus? Wow, das ist eine Leistung. Das ändert natürlich alles. Ein
sexistisches Spiel ist also nur eines, welches ausschließlich (!) zum
Inhalt hat, dass eine oder mehrere Frauen geschlagen, verkauft oder
schlimmeres werden. Das ist eine super Sache, weil so können wir
eigentlich jede Kritik bleiben lassen, denn die ganze Welt ist ein
einziger komplexer Zusammenhang, und jede Scheiße, die so
gesellschaftlich passiert, lässt sich nie so recht auf eine einzige
Ursache runterbrechen. Puh, Glück gehabt – diese Aktivist*innen
spinnen doch alle, die bilden sich das alles nur ein.
Dass Anita Sarkeesian in jedem ihrer Videos betont, dass ein Spiel,
welches Sexismus enthält, nicht gleich ein schlechtes Spiel ist, dass
es für sie und für viele andere Menschen kein Widerspruch ist, ein
Spiel zu mögen und gleichzeitig zu kritisieren, all das kann getrost
ignoriert werden – das ist bestimmt auch wieder nur so eine
‚manipulative‘ Strategie, um uns zu irritieren!!!

„Beispielsweise sind die meisten Rollenspiele auf weibliche und
männliche Spieler ausgelegt.“
— Potzblitz: Da schaffen es einige AAA+ Entwickler wie Bioware oder
Bethesda (nicht zu vergessen zahlreiche Indie-Schuppen, die kennen ja
auch *alle*!), in so ziemlich dem einzigen Genre, in welchem es per
Definition um eine ‚Spiel-wen-oder-was-du-willst‘-Erfahrung geht,
beide Geschlechter angemessen zu berücksichtigen. Damit ist
schlagartig die gesamte Branche immun gegen jede Art von
Sexismusvorwurf! Geniales Argument!

„Es werden zwar durchaus noch Stereotype bedient – allerdings sowohl
auf weiblicher als auch männlicher Seite.“ // „Dazu kommt: Eine
Debatte nur über Sexismus in Spielen? Was ist mit Gewalt? Rassismus?“
— Ich werd verrückt: Männer werden *auch* oft stereotypisiert? Und
es gibt auch Rassismus? Und Gewalt? Das macht die Stereotypisierung
von Frauen ja gleich viel weniger problematisch! Ich weiß, manche
Spinner*innen würden jetzt wahrscheinlich sagen: ‚Ja dann lass uns
doch mehr Spiele wünschen oder machen, in denen es mehr Vielfalt
sowohl für männliche als auch weibliche oder weder-noch-Figuren gibt,
in der Hautfarbe keine Festlegung auf eine Rolle bedeutet und in
denen Gewalt mal kein oder zumindest nicht das einzige Mittel ist“ —
aber das wäre wieder so krass politisch korrekte Unterdrückung, weil
um sich mal wieder richtig austoben zu können (dieses Bedürfnis
dürfen entsprechend bei aller Toleranz natürlich auch nur oftmals
weiße, heterosexuelle Männer zwischen 12 und 49 haben!) braucht es
eben doch mitunter einfachste Bilder in all den ‚tiefschichtigen‘
Handlunggsträngen, das ist wohl nachvollziehbar!

Aber das dickste, grundlegendste Argument von allen wurde von Martin
Fischer gar nicht genannt, das finde ich ein wenig schade. Es ist
nämlich zweifelsfrei so: Die Spielewelt ist klein, viel zu klein. Es
gibt zu wenig Spiele. Alle, welche sich mit den paar Spielen, die es
so gibt, beschäftigen sind gezwungen, alles von allen darüber zu
lesen, und sich dazu zu positionieren. Und das allerschlimmste: Wenn
diese schlimme Feminist*innen zu viel Gehör bekommen, dann gibt es am
Ende tatsächlich ein paar Spiele mit mehr Vielfalt, und die *müssen*
dann alle spielen, weil es gibt ja dann nichts anderes mehr! Die
guten alten unkritisch sexistischen Games traut sich dann auch keiner
mehr zu machen, weil sie die bösen Videos von Anita Sarkeesian
fürchten (diese Videos kommen nämlich mit eingebautem
Zensurgesetzhammer, Anita Sarkeesian braucht nur der geheimen
feministischen Weltregierung einen Wink zu geben und schwups sind
alle eure Lieblingsspiele futsch!!) Das wäre der Untergang der
gesamten Branche. Dann spielen alle nur noch Tetris (aber mit lila
Blöcken). Das kann keiner wollen, also, um Himmels willen, liebe
Leute, lasst das nicht zu. Rettet euer Hobby, eure Leidenschaft vor
diesem unbarmherzigen Kreuzzug und vergesst diese Zeiten nicht, in
denen ihr brutalste Unterdrückung fürchten musstet von ein paar
Menschen, die meinten, ein Spiel sei wie jedes andere Medium in
seinen Inhalten und Aussagen kritisierbar.

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