Kritik anbringen und Verständnis für falsche Gedanken

Es geht mal wieder im weitesten Sinn um Diskussionskultur, wie meist, wenn ich alle Jubelzeiten mal was hier schreibe.
Anlass war unter anderem ein kleiner Austausch vor einer ganzen Weile mit @ifa_wartburg, wo auch zwischendurch kurz gefragt wurde, welchen Nutzen es denn haben soll, Verständnis gegenüber falschen Ansichten zu entwickeln und zu bekunden.

Das mag nun ein wenig trivial klingen, aber: Ich versuche bei Debatten möglichst, den Standpunkt meines Gegenübers in dessen Gedankengang zu verstehen. Auch wenn er mir erst mal grundfalsch erscheint und danach immer noch: Ich möchte gern eine Idee davon haben, wie eins zu dem Zeug gekommen ist, was ich da kritisieren will. Das hilft mir nämlich nicht nur, künftig selber ähnliche Denkfehler dieser Art zu vermeiden sondern sie auch schneller zu erkennen, wenn jemand anderes sie macht. So entsteht dann auch weit mehr als nur ein “Katalog zur Behandlung gängiger Einwände” zu den konkreten Themen und Positionen, die *mich* beschäftigen, sondern darüber hinaus auch eine Vorstellung davon, welche Arten von Fehlern die Leute in Diskussion und Gedanken zu allen möglichen Themen immer wieder zu machen scheinen. Klappt also themenübergreifend.

Diese Art ‘Verständnis’ hat aber nicht das geringste damit zu tun, dass mir ein übler Fehler dann egal wäre oder ich einen falschen Standpunkt in einer Debatte trotz besseren Wissens abnicken würde. Im Gegenteil: Umso treffsicherer fällt nämlich dann im besten Fall die Kritik an dem Gesagten aus, und die Art und Weise, wie sie eingeleitet, rübergebracht und abgeschlossen wird.

Es hilft mir bei der Vermittlung eines Arguments erfahrungsgemäß, das Gegenüber wissen zu lassen, dass ich ihren Gedankengang inhaltlich (also eben NICHT nur in Form einer ritualisiert vorausgeschobenen ‘ich verstehe dich’-Floskel!) nachvollziehen kann, auch wenn ich ihn anschließend ab einem bestimmten Punkt als falsch kritisieren möchte – das bekundet nämlich auch auf einer dieser berühmten ‘anderen’ Ebenen der Kommunikation (es gibt tatsächlich nicht nur die des theoretischen Rechthabens) ein zumindest grundlegendes Interesse an einer möglichst nicht von Beleidigungen und Verletzungen geprägten Gesprächsbeziehung zu meinem Gegenüber – und die ist Voraussetzung dafür, dass ich überhaupt irgendetwas vermitteln kann. Wenn ich darauf scheiße, scheiße ich auch auf meine richtigen Argumente, zumindest insofern es um deren Verbreitung geht und nicht nur um meine Gewissheit, ganz sicher ganz recht damit zu haben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Kritik anbringen und Verständnis für falsche Gedanken

  1. ifawartburg schreibt:

    Gar kein Widerspruch oO

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s