Erkenntnistheorie für Musiker

musikproduktion, politik und gesellschaft

Ich habe in meiner Eigenschaft als Musikproduzent viel mit Künstlern zu tun gehabt, die von dem Willen getrieben sind, ein Vorbild zu erreichen.
Daran ist nichts Ungewöhnliches und schon gar nicht Verwerfliches. Unsere Vorbilder inspirieren und motivieren uns, sie können uns Wege zeigen, die wir alleine nicht entdeckt hätten und obendrein geben sie uns eine gemeinsame Sprache – einen Horizont an Kontexten und Assoziationen, die uns und unser Publikum verbinden.
Gerade im Bereich der Popmusik halte ich es für Quatsch, den Begriff des Plagiats als Vorwurf herumzuschleudern. Popmusik ist ein Plagiat per se, sie will und soll es auch sein.

Einen Haken sehe ich an der Sache allerdings:
Es ist eine Binsenweisheit der Erkenntnistheorie, dass die Wirklichkeit mit Sicherheit vielfältiger ist als das, was wir von ihr wahrnehmen. So ist es natürlich auch mit, sagen wir, Bob Dylan. Oder Slayer. Oder Kraftwerk. Wenn ich nun das, was ich von Kraftwerk…

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Was willst du denn aus deinem Leben machen?!?

femtopie

fragt mich eine Freundin, dann noch eine, dann, natürlich, meine Mutti, meine Cousine, meine Tante, meine Oma. Es muss doch irgendwas geben, was dir Spaß macht? Die Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt sagt: Sie müssen dann jetzt auch mal was machen, was Sie die nächsten 35 Jahre durchhalten! 35 Jahre?!? Sie sagt: Sie haben doch mal einen Traum gehabt, deshalb haben Sie doch all diese schönen Sachen studiert. Ich frag mich, in welcher Welt sie eigentlich lebt, und ob sie wohl den Traum hatte, beim Arbeitsamt Leute zu schikanieren und das jetzt die nächsten 35 Jahre machen will? Ich trau mich nur nicht, sie das zu fragen, obwohl mich die Antwort doch sehr interessiert hätte.

Ich sag euch, was ich machen will:

Ich will
heute Ukulele spielen
morgen den ganzen Tag häkeln
übermorgen Gemüse in einen Garten pflanzen
und am nächsten Tag den ganzen Tag schlafen, weil das so anstrengend war

Ich…

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Komponieren und Konstruieren

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Ich habe diesen interessanten Artikel übers Komponieren bei Kunstproduktion gefunden (generell super Blog!).

Ich teile die Ansicht dass „Inspiration“ ein relativ unbrauchbarer Begriff ist weil er nicht gut festzumachen ist. Woher kommen die Ideen? Ich würde sagen: Am ehesten aus dem was man schon kennt, letztlich aus den Bechränkungen die einem_r auferliegen. Was meine ich damit?

In Bezug auf die Musik ist die Grundsätzliche  Beschränkung das westliche Tonsystem und die Rhythmik. Die kann man natürlich auch ausschalten durch freie Rhythmik und microtonalität, mit slidegitarre, bundlosen instrumenten oder nmicht temperierten synthesizer-Controllern usw. Also „experimentelle Musik“. An der Stelle wird es aber nicht interessanter sondern (soziologisch) uninteressanter. Nicht weil experimentelle Musik schlechter wäre, sondern weil jenseits der regulierten Zeichensprache (auch Musik ist so eine) nur die Regel gilt, dass man die bisherigen Regeln nicht anwendet. Das ist damit eigentlich schon ganz gut geklärt.

Kenntnisse über Harmonielehre und Musiktheorie sind nicht nötig, manchmal…

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Thomas De Maiziere will dass Du das richtige denkst

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Über de Maizieres „Leitkultur“-Artikel ist viel geredet worden aber eine Sache fällt mir auf, die wurde noch nicht gesagt (glaub ich). TdM  schreibt:

„Unser Land hatte viele Zä­su­ren zu be­wäl­ti­gen. Ei­ni­ge davon waren mit Grund­ent­schei­dun­gen ver­bun­den. Eine der wich­tigs­ten lau­tet: Wir sind Teil des Wes­tens. Kul­tu­rell, geis­tig und po­li­tisch. Die Nato schützt un­se­re Frei­heit. Sie ver­bin­det uns mit den USA, un­se­rem wich­tigs­ten au­ßer­eu­ro­päi­schen Freund und Part­ner.“

Jetzt muss man  verstehen: Wenn man Innenminister ist dann spielt die Nato im Alltag wahrscheinlich eine gewisse Rolle. Allen anderen ist sie aber per se erstmal egal. Warum also soll man sich überhaupt dazu oder dagegen bekennen? Ist doch komisch: Meine Haltung zur Nato oder EU oder anderen supranationalen Machtkonstrukten spielt genau  überhaupt keine Rolle. Ich kann so sehr dagegen sein wie ich will, ich muss deren Faktizität akzeptieren. Umgekehrt existieren solche Konstruktionen nicht deshalb weil irgendwelche Moralist_innen sie für „gut“ halten.

Derzeit kann…

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Befindlichkeit zum BigData/Trump-Gedöns

Ich frage mich nach diesem reichlich hämisch geschriebenem „BigDataTrump“/“LolFake!“-Ding jetzt ein wenig, inwieweit es überhaupt möglich ist, jeden Inhalt, der nicht nur von einer einzelnen Seite verbreitet sondern eben auch von den so genannten Vertrauensmedien weitergetragen wird vollständig auf seinen Faktengehalt zu prüfen bevor man den dargestellten Zusammenhängen folgt, und wie vielen Leuten die dafür erforderlichen Methoden und Zeit zugänglich sind. Unsere Gesellschaft basiert nun mal nicht, wie manche es vielleicht gerne hätten, auf der ureigenen Erkenntnisarbeit aller Menschen in ihr, sondern zuvorderst auf mehr oder weniger vertrauensvollen Beziehungen zwischen ihnen. Oder kürzer: Fakten im Weltgeschehen überprüfen ist Arbeit, und wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft.

In diesem Fall sieht es so aus, dass nun auch wiederum die ‚Vertrauensmedien‘, die diesen Zusammenhang kurz vorher weitergetragen haben, ihn als Fake bezeichnen (ergibt die gleiche Suche). Ich selbst halte mich da mal (weil mir zum sorgfältigen Recherchieren eben Zeit und Methoden fehlen) mit Urteilen zurück, genauso könnte es ja sein dass die Fakemeldungen Fakes sind, gell? Liebe Güte.

Speziell zu dem Thema BigData kann ich nur sagen: Trumps Wahlsieg war (so wird berichtet) sehr, sehr knapp. Eine Menge Faktoren können ein winziges Zünglein an der Wage gebildet haben, und dann stimmt zugleich beides: Keiner dieser Faktoren, z.B. eben Big Data, hatte eine große Auswirkung, aber trotzdem waren sie entscheidend. Klingt widersprüchlich, wäre dann aber eben so.

Und dann, zur allgemeinen Vertrauensfrage gegenüber professioneller Faktencheckerei braut sich in mir eine aberwitzige Verschwörungstheorie zusammen: Was, wenn wir jetzt bald so oft mit ‚lol, Fake‘-Meldungen aus verschiedenster Richtung mürbegemacht werden, bis wir abwinken und uns nicht mehr ernsthaft interessiert, was so vor sich geht, weil ja eh nichts mehr stimmt? Vielleicht zögen sich dann einige (beispielsweise ich) endgültig in Welten zurück, die klar als fiktiv markiert sind – weil sich an der echten Welt mangels Zuverlässigkeit jeglicher Quellen nichts mehr belastbar erklären oder kritisieren lässt. Eigentlich ein charmanter Gedanke – ich bin dann mal weg in meine Privilegienblase, zocken.

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Being needy and disabled after Sagamihara and why independence is a myth

mikamikrokosmonautisch

Being needy and disabled after Sagamihara and why independence is a myth

(#CN_ableist_murder, #CN_eugenics, #CN_graphic_imagination)

The 26th of July left me with a lump in my throat, I hardly wrote about all the thoughts and feelings the ableist killings of disabled at Sagamihara in a care facility evoked in me. I only shared the blogposts of other disabled tweeps, added a few tweets and it was obvious that nondisabled people didn’t care and it is difficult for me to articulate these things knowing this discouraging fact: That even in the social justice/queerfeminist bubble little solidarity with disabled ppl exists.

“We are not like those!” is also a known narrative of feminism. It ends with protesting against being put into the same pathologizing (as feeble/weak/etc) category as some other people who are considered to belong there.

Back to Sagamihara: As I have a vivid imagination and little filter I saw in…

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Kritik des Antiklassismus

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Anmerkung: ich habe erst geschrieben, dass Clara Rosa die Autorin des verlinkten Podcasts ist. Ich glaub da hab ich was nicht richtig verstanden. Sie hat ihn nur empfohlen.)

Heut hab ich mich wirklich geärgert über einen „Antiklassismus“ Podcast (https://cba.fro.at/58490 9:15). Da wurde gesagt dass Uni-Absolvent_innen erfüllende tolle Jobs kriegen und Arbeiter_innen nicht.(1) Als arbeitsloser Akademiker mit Arbeitserfahrung an der Uni kann ich nur sagen: Das ist einfach falsch. Aber da weder persönliche Betroffenheit noch Wut der Argumentation dienen hab ich ein paar Argumente in der Sache. Ich beobachte dieses Antiklassismus-Zeug schon eine Weile im Internet (gibt’s ja nur da) und mach mir immer wieder Gedanken. Kurz: „Antiklassismus“ importiert liberale Ideologien über Klassenverhältnisse in die linke. Die Schwäche des Textes ist natürlich dass ich nicht alle Kritikpunkte an Zitaten belege. Weil zu faul. Geht um den Gesamteindruck.

  1. Zunächst eine sprachliche Bemerkung. Wer von Antiklassismus redet, redet schon mal nicht von…

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