Eine Nominierung zum Unwort des Jahres

musikproduktion, politik und gesellschaft

Da ist natürlich zunächst einmal die Überlegung, ob man den Leuten, die jetzt gerade eine „Cancel Culture“ ihr Unwesen in Deutschland treiben sehen, den Gefallen tun sollte, sich mit diesem Märchen zu beschäftigen, weil man es dadurch mit Aufmerksamkeit würdigt. Aber das ist mir jetzt erst einmal egal. Weil mich die Debatte nervt.

Eine bisher eher nicht so bekannte Bühnenperformerin hat nun also einen Roman geschrieben, den sie natürlich gerne verkaufen will. Sie ist für einen Auftritt in einem Club gebucht, der in direkter Nachbarschaft zu den besetzten Häusern der Hamburger Hafenstraße liegt. Da die Künstlerin es sich offenbar zur Gewohnheit gemacht hat, mit dem Reißen antisemitischer Witze zu provozieren, wird das natürlich jetzt kompliziert. Der Clubbetreiber sagt den Auftritt doch lieber im Vorfeld ab, die Künstlerin verbreitet eine erfundene Story von angeblicher Gewaltandrohung durch autonome Chaoten und ganz Deutschland regt sich über die Zensur des schwarzen Mobs auf, die…

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Implizite Bias, explizite Bias, ohjemine

Semilocon

Vor ein paar Wochen wurde auf Twitter eine interessante neue Studie geteilt, die das erste Mal beschreibt, dass neurotypische Menschen gegenüber Autisten eine negative implizite Bias haben, aber eine positive explizite Bias. Ich wurde darum gebeten, die Ergebnisse der Studie zu übersetzen, damit sie dem deutschen Raum zugänglicher werden. Dies ist das Ergebnis davon, wobei ich einerseits den DeepL-Translator benutzt habe, andererseits auch viel von meiner Seite erklärt habe, denn einfach abschreiben wäre eine Copyrightverletzung gewesen. Außerdem musste ich einiges erklären, was im Originaltext als bekannt vorausgesetzt wurde. Alle Fehler sind daher auf meine laienhafte Beschäftigung mit dem Thema zurückzuführen (denn ich studiere ja Geschichte, nicht Neurologie oder Psychologie 😃).

Der Originaltext kann hier eingesehen werden.

Das englische Wort „bias“ kann Ausrichtung, Befangenheit, Neigung, Voreingenommenheit, Vorliebe oder Unausgewogenheit bedeuten. Ich finde die deutschen Übersetzungen nicht wirklich hinlänglich, für mich sind die genannten Übersetzungen alle sehr verschieden in ihrer…

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Das politische Hufeisen

musikproduktion, politik und gesellschaft

Neulich ist mir etwas überaus Erstaunliches passiert. Ich habe einen Text von Margarete Stokowski gelesen, dem ich nicht zustimme. Das ist wirklich bemerkenswert, weil ich bisher dachte, das könne nicht geschehen.

Nun, das wäre noch keine Wortmeldung meinerseits wert, wenn mir anhand dieses Textes nicht etwas aufgefallen wäre, das tiefer geht und weite Teile der öffentlichen Meinung betrifft. Worum ging es? Grob zusammengefasst, darum, dass die Hufeisentheorie Quatsch ist. Das sie das ist, steht für mich außer Frage. Wenn ich das richtig verstanden habe, behauptet die Hufeisentheorie, dass der linke und rechte Rand des politischen Spektrums jeweils einander näher sind als der Mitte, halt so wie bei einem Hufeisen. Das sind sie selbstverständlich ganz und gar nicht.
Wenn man nun, so wie Stokowski, als links Haltungen definiert, die egalitär, emanzipatorisch und integrativ sind, während als rechts Ausgrenzung, Diskriminierung und so gelten, kann man zwar sagen, dass dazwischen keine Mitte existieren…

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eine Nebenbaustelle namens Schuldfrage

musikproduktion, politik und gesellschaft

Mir fiel in letzter Zeit auf, wie zentral bei Diskussionen über menschenfeindliche Gewalt das „Argument“ zu sein scheint, die Bundeskanzlerin habe uns diese Gewalt eingebrockt, wahlweise sind es manchmal auch die Grünen.
Auffällig daran finde ich, dass es offenbar ohne Logik auskommt und doch offenbar vielen plausibel erscheint. Stellen wir uns vor, ein Fußgänger würde bei der Überquerung einer grünen Ampel von einem Raser erfasst, der seinerseits rot hatte. Es wäre offensichtlich unsinnig, dem Autofahrer die Verantwortung für den Unfall abzusprechen. Genau das aber tun viele offenbar, wenn es um rechte Agitation und Hetze geht: das „musste ja so kommen“, wenn man „so viele“ Ausländer ins Land lässt.
Musste es das? Nein, musste es nicht.

An diesem „Argument“ ist nämlich so ziemlich alles falsch.

Erstens kann nicht die Rede davon sein, dass die Kanzlerin irgendwen herbei gerufen habe.

Die Ereignisse von 2015 sind inzwischen ziemlich gut erforscht und es zeigte…

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Grenzen auf für alle und „Importierter Antisemitismus“

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Das Argument mit dem man Linke manchmal für „Grenzen dicht!“ begeistern will geht so: Da kommen Leute die, aus welchen Gründen auch immer, antisemitische,  sexistische, usw. Einstellungen haben und das ist für Linke der Hauptfeind, also sollten Linke dafür sein dass diese Leute nicht einwandern!“ – Manchmal sagen Linke auch selber sowas.

Der erste Teil der Behauptung „Hauptfeind Sexismus, Antisemitismus usw.“ ist wahr. Die Folgerung die selbstverständlich daraus abgeleitet wird „sollen nicht einwandern“ ist aber falsch. Denn das folgt einer nationalistischen Logik. Aber: wenn Sie nicht nach Europa einwandern können ist deren Sexismus, Antisemitismus, Homophobie usw. ja nicht weg. Nur woanders. Damit ist aber nichts bekämpft. Es ist nur unsolidarisch gegenüber Jüdinnen, Frauen, LGBTI usw. woanders. Genauso die Abschiebung von Vergewaltigern: Dann vergewaltigen Sie möglicherweise woanders weiter. Warum ist das gut? Rassismus ist auch dann nicht akzeptabel gegen Leute, die man verabscheut. Es bringt ja auch nichts. Es fügt einer…

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Habe ich eigentlich Angst vor der Zukunft?

musikproduktion, politik und gesellschaft

Das wäre ja durchaus begründbar.

Vielerorts häufen sich Anzeichen dafür, dass totalitäre, nationalistische und menschenfeindliche Haltungen im Trend sind. In den USA, in Russland, in China sowie mehreren osteuropäischen Staaten und der Türkei sind Einzelpersonen und Gruppen an Macht und Einfluss gelangt und zementieren diese mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Das tun sie, indem sie Nationalismus und Hass auf verschiedene Minderheiten schüren und gehen dabei strategisch so viel geschickter und skrupelloser vor als jene, die sich gegen sie stellen, dass es aussichtslos scheint.

Da fehlt aber was.

Es sieht, wenn man der Angst folgt, so aus, als läge die Wurzel des Problems in den totalitären, nationalistischen und menschenfeindlichen Haltungen der aufstrebenden Gruppen und dem damit verbundenen Populismus, der die Diskussionskultur ganzer Gesellschaften vergiftet. Das führt zu so absurden Argumenten wie dem, dass es ein Fehler sei, Ausländern überhaupt Zutritt zum deutschen Gemeinwesen zu gewähren, weil man damit…

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rape culture? me too

100% Zustimmung

musikproduktion, politik und gesellschaft

Eigentlich wollte ich gar nichts zu dem Thema schreiben, dachte, läuft ja.

Nun ist einige Zeit vergangen, viele Frauen haben ihren ganz persönlichen Bezug zu dem Thema öffentlich gemacht, wenige Männer sind dem Aufruf gefolgt, doch auch mal was zu schreiben. Was zunächst nachvollziehbar scheint. Was soll ein Mann schon dazu schreiben? Ja, ich bekenne mich schuldig? Ja, sexuelle Übergriffe sind scheiße? Ja, ich bin auch schon mal sexuell belästigt worden? Hätte alles irgendwie eine Berechtigung. Klingt alles ein bisschen scheinheilig.

Ich empfand es als einen großen Vorteil des #metoo-Hashtag, dass er so groß angelegt war. Das verbindet eine große Menge Menschen in ihrer persönlichen Erfahrung, was wichtig ist, weil es eben ein großes Thema ist. Macht es aber auch schwierig, eine Position zu finden, sobald es nicht um die eigene Betroffenheit geht. Die ist meist eine Sache der Frauen, Männer stehen stumm und dumm herum und fühlen sich unwohl…

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so alt, so voller Hass

musikproduktion, politik und gesellschaft

Nein, ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn Leute Autos anderer Leute anzünden und sich dabei in einem politischen Kampf wähnen. Meinetwegen soll man auch versuchen, diese Leute zu finden und sie angemessen bestrafen, wenn man sie gefunden hat. Das wäre nur gerecht, schließlich macht man das mit anderen Randalierern auch.

Aber das ist nicht der Punkt.

Seit der G20 über die Bühne gebracht wurde, arbeitet die Hamburger Polizei, die Bild-Zeitung, Wutbürger aus den dunklen Tiefen der Republik und wer immer sich berufen fühlt, daran, ein Bild linker Terroristen zu erfinden und zu verbreiten.
Da machen dann Couchpotatoes in der ganzen Republik ihr eigenes Fantasy-Kopfkino auf und halluzinieren Bilder von Massen linker Chaoten, die alle eingesperrt gehören, weil sie „den schwarzen Block“ ja nicht daran gehindert haben, Straftaten zu begehen. Keiner von denen war wohl jemals auf einer Demo. Die Vorstellung, dass Teilnehmer sich allein schon schuldig gemacht hätten…

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Wollen Rechte mit Dir reden?

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Zum Thema „mit Rechten Reden“ eine kleine Erfahrung in einem Facebook-Thread:

Rechter: „Beruf?“
Ich: „Warum?“
R: „BERUF?!?!“
I: „Geringfügig + Mindestsicherung“
R: „Mit Leuten die ich durchfüttern muss red ich nicht.“

Da gibt es ein neues Buch das durch die Kanäle der bürgerlichen Medien gejagt wird, als stünde was Richtiges drin. „Mit rechten reden“ heißt es und soll aber keine Aufforderung sein aber irgendwie doch aber nicht so richtig. Ich empfehle die Rezension von Leo Fischer in ND dazu. Ich hab nur ein paar kleine Anmerkungen:

Scheint als würde dieses Buch alles beinhalten was an der akademischen Welt so nervt: das verhüllen des eigenen Standpunkts in irgendwelches umständliches Theorievokabular zum Beispiel. Oder permanente Selbstbeweihräucherung inklusive Autoritäts“argument“ („ich als Philosoph…“). und dieser Standpunkt heißt: stumpfe Mitte. Und vor allem: Die linken sind schuld. Weil: Dass die Rechten überhaupt in einen Diskurs eintreten wollen wird vorausgesetzt. Und wenn sie es nicht wollen?…

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Die Idee klingt schön:

musikproduktion, politik und gesellschaft

Sie lautet, dass durch die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Entwicklung von staatsunabhängigen Währungen eine neue, gerechtere Welt entstehe.

Die Wirtschaft werde einerseits dem Menschen dienen, weil weniger menschliche Arbeitskraft nötig ist und andererseits werde die Mitbestimmung jedes Einzelnen dadurch gestärkt, dass alles, was zwischen Produzenten und Konsumenten steht, überflüssig wird. Das werde die Macht der Monopole schwächen und insbesondere die des Staates, der dann weniger Möglichkeiten hat, Handel und Wirtschaft zu kontrollieren.

Nun, wie das tatsächlich verlaufen könnte und wie es dann real verlaufen wird, lässt sich schwer voraussagen. Es lohnt sich aber sicher, sich die Spieler auf diesem Feld einmal genau anzusehen.

Digitalisierung

Das meint im Wesentlichen die schrittweise Ablösung menschlicher Arbeitsleistung durch Maschinen, die in Zukunft „intelligenter“ werden und so auch komplexe Aufgaben übernehmen können.
Das marktwirtschaftliche System – in dem diese Digitalisierung ja stattfinden wird –  basiert nun vereinfacht dargestellt darauf, dass eine Arbeitskraft nicht nach…

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