Kritik des Antiklassismus

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Anmerkung: ich habe erst geschrieben, dass Clara Rosa die Autorin des verlinkten Podcasts ist. Ich glaub da hab ich was nicht richtig verstanden. Sie hat ihn nur empfohlen.)

Heut hab ich mich wirklich geärgert über einen „Antiklassismus“ Podcast (https://cba.fro.at/58490 9:15). Da wurde gesagt dass Uni-Absolvent_innen erfüllende tolle Jobs kriegen und Arbeiter_innen nicht.(1) Als arbeitsloser Akademiker mit Arbeitserfahrung an der Uni kann ich nur sagen: Das ist einfach falsch. Aber da weder persönliche Betroffenheit noch Wut der Argumentation dienen hab ich ein paar Argumente in der Sache. Ich beobachte dieses Antiklassismus-Zeug schon eine Weile im Internet (gibt’s ja nur da) und mach mir immer wieder Gedanken. Kurz: „Antiklassismus“ importiert liberale Ideologien über Klassenverhältnisse in die linke. Die Schwäche des Textes ist natürlich dass ich nicht alle Kritikpunkte an Zitaten belege. Weil zu faul. Geht um den Gesamteindruck.

  1. Zunächst eine sprachliche Bemerkung. Wer von Antiklassismus redet, redet schon mal nicht von…

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Über die bürgerliche Kritik am Aufstieg der „Neuen Rechten“

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Die „Liberal-Konservative“ (Selbstbeschreibung) Publizistin Liane Bednarz nutzt die Kritik an der AfD und anderen rechten Bewegungen als Ideologie für die gute alte liebenswerte Bundesrepublik (das ist die These hier) . Gegen diese Rechten Umtriebe sind wir doch irgendwie alle, klingt jedenfalls ganz sympathisch. Schauen wir uns mal ein paar Zitate an:

„Als 1989 die lang ersehnte Zeitenwende eintrat und die sozialistischen Diktaturen des Ostblocks zusammenbrachen, schien die Zeit autoritärer Regime in Europa endgültig vorbei zu sein. …. Wenige Jahre später wurden Ungarn, Polen und Tschechien Mitglieder der Europäischen Union und prosperierten auch wirtschaftlich.“

Und andere prosperierten so gar nicht. So ist das im kapitalistischen Konkurrenzkampf: es gibt notwendig Verlierer_innen. Auf individueller wie staatlicher Ebene.

„Inzwischen hat die Wertschätzung für liberale Staatsformen in Osteuropa rapide abgenommen.“

Bednarz begründet das nicht aber das darf eine_n nicht wundern. Siehe oben. Stichwort: Verlieren. Die liberale Ideologie sagt den Verlierer_innen ja: „Selber schuld du hattest…

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Bündnisse mit Antisemitinnen? – selbstverständlich nicht.

susanna14

Ich bin am Wochenende über Twitter in Diskussionen über Feminismus und Antisemitismus und über mögliche Bündnisse geraten. Ich habe sie irgendwann abgebrochen, weil ich noch spazieren gehen wollte, und als ich zurückkehrte, waren alle mit den Wahlergebnissen beschäftigt. Als ich gestern nach Hause kam, fand ich 23 notifications auf Twitter und stellte fest, dass die Diskussionen fortgesetzt worden waren. Ich finde immer noch neue Tweets und muss mich zurückhalten, nicht jeden einzelnen Tweet zu verlinken. Aus diesem Grund blogge ich auch verhältnismäßig schnell, so dass LeserInnen die Chance haben, nachzulesen, was auf Twitter diskutiert wurde. Am einfachsten ist es wohl, die Accounts der einzelnen ProtagonistInnen aufzurufen und auf „Tweets and Replies“ zu klicken.

Vielleicht gleich vorab: Es tut mir ein wenig leid, dass Antje Schrupp mit einem ihrer Tweets ins Zentrum der Kritik geraten ist. Der Tweet war an mich gerichtet; ich musste erst einmal nachlesen, was ich selbst geantwortet…

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Die Kluge-Kinder-Kopierpaste (mit @henscheck)

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Von @henscheck und @thegurkenkaiser

Das Form „Kluge Kinder“ ist eine Fundgrube für Ehrgeizige-Eltern-Trash (irgendwie natürlich traurig, klar) und eignet sich hervorragend als Quelle für Kopierpasten. Genug der Einleitung. Hier das Original:

„Sie hat mit 3 Jahren Judo angefangen, dass wollte sie dann nicht mehr. Dann kam Kinderturnen. Das war auch schnell uninteressant. Dann vor einem halben Jahr Flöte spielen. Aber sie will nicht üben. Eigentlich ist Üben überhaupt nicht ihr Ding! Und so klappt es dann logischerweise auch nicht mit dem Flöte spielen und dann wollte es sie nicht mehr.
Wenn ich das mit anderen Kindern in ihrer Klasse vergleiche, steigt mir fast die Schamesröte ins Gesicht. Die anderen Kids haben Hobbies, gehen in einen Verein, spielen Fussball oder ein Instrument und sind eigentlich ständig auf Achse.

Meine Tochter interessiert sich nur für ihre Rollenspiele, will Detektiv spielen und draussen rumtollen… Sie ist noch sehr verspielt für ihr Alter…

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Lob der Superpapas

Dr. Mutti

Seit Anfang der Woche wird in der Presse (zum Beispiel im SPIEGEL, in der WELT und dem FOCUS) den sozialen Medien (etwa hier und hier oder unter #offensivevaterschaft) über ein Elternteil eines scharlachkranken Kindes berichtet und debattiert. Nanu, könnte man sich fragen, was hat diese Person denn Außergewöhnliches gemacht? Eigentlich nichts, wäre die Antwort – lediglich drei Tage zu Hause geblieben, um das Kind zu pflegen – bis nach drei Tagen das andere Elternteil wieder übernimmt. Tatsächlich kaum der Rede wert, aber immerhin handelt es sich um Sigmar Gabriel, SPD-Chef, Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister und VATER, da wird so etwas schnell zu einer Meldung.

Ein Mann übernimmt also zumindest einen Teil seiner väterlichen Pflichten, so weit, so schön. Was aber viele – vor allem Mütter – aufregt, ist erstens, dass das tatsächlich eine Meldung ist und dass Sigmar Gabriel für so eine Selbstverständlichkeit auch noch Lob bekommt. Wäre Sigmar Gabriel…

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Den Leuten geht’s zu gut? Dann geh doch zum Arbeitgeberverband!

Analysehose aus, Melancholiehose an.

Gestern Abend war ich bei einem Vortrag über linke und ihre Theorien, da sagt so ein Typ – in einem linksradikalen Kontext! – „den leuten gehts zu gut!“ (1). bin immer noch auf 180. Das ist kein Einzelfall. Ich nenn sie mal „Antikonsumlinke“. Wenn man der Meinung ist, die Mehrheit der Leute hat zu viel Geld zum verkonsumieren übrig, dann sollte man eher auf die Veranstaltungen der Arbeitgeberverbände schauen. Die sind für Lohnsenkungen immer leicht zu begeistern und nicht nur das, die haben auch Methoden dieses Ziel durchzusetzen.

Es ist aber kein speziell linkes Phänomen. Die Aufforderung zum Konsumverzicht – an Lohnabhängige wohlgemerkt – findet man überall. Ein Freund der eine Gewerkschaftsschulung macht berichtet mir, man erzählt den Leuten von der immer größer werdenden Ungleichverteilung des Reichtums. Leute nicken betroffen. Das finden sie schlimm. (Zurecht!). 3 Minuten später lamentieren die selben Leute wie schlimm das ist, dass alle das neueste…

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Flüchtlingskrise: Was zu tun wäre

Der Lindwurm

Das Elend nimmt seinen Lauf. Deutschland macht die Grenzen dicht, der Zugverkehr zwischen Österreich und Deutschland wurde eingestellt, Ungarn stellt seinen Menschenabwehrzaun fertig, auf der griechischen Insel Kos wurde das Flüchtlingslager zugesperrt und die Menschen in die Obdachlosigkeit entlassen, kurz: der Traum ist aus. Der Traum von Reisefreiheit und dem Ende der Grenzregime, den viele in den vergangenen Wochen träumten, ist vorbei. Wenn nun nicht ein radikales Umdenken eintritt, rutscht Europa in barbarische Zustände ab.

Deutschland hat vielen tausenden Flüchtlingen erst Hoffnung gemacht, nur um diese Hoffnungen dann wieder zu enttäuschen. Ab sofort führt Deutschland wieder Grenzkontrollen durch und niemand darf ohne die nötigen Papiere einreisen. Flüchtlinge haben solche Papiere nicht, denn sie bräuchten laut dem Dublin III Abkommen einen positiven deutschen Asylbescheid – um den sie aber nirgendwo anders als in Deutschland ansuchen können. Wir sind wieder beim alten Catch 22: „Dir steht das Recht zu, bei uns um…

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