Bessere Spiele, echt jetzt!

Über meine TL kam ich zu einem kleinen Text auf heise.de (Lesen nur empfohlen wenn ihr u.a. das übliche Blabla ertragen könnt, warum Anita Sarkeesian Spiele falsch kritisiert und die Sexismus-Debatte überzogen sei), welchen ich zum Anlass nahm, mal in dieser Sache mein bißchen Senf dazuzugeben. Hier also mein Kommentar so wie ich ihn auch im Forum da gepostet hab:

“also ausgerechnet an solchen, die insgesamt das Mittel der Satire
und Überzeichnung nutzen”
— Ach, echt? Ja daaaann..! Wenn es Satire und Überzeichnung ist,
dann ist es ja direkt nicht mehr sexistisch, gell? Ich bin auch total
sicher dass alle, die GTA & Co. spielen, sich im ‘echten Leben’
kritisch und engagiert gegen Sexismus betätigen und genau wissen,
dass Rockstar alles, was sie da so darstellen, in der Realität
höööööchst bedenklich fänden.

“Ihr Herauspicken sexistischer Szenen aus teils komplexen
Zusammenhängen”
— Oooh, komplexe Zusammenhänge! GTA besteht also nicht zu 100% aus
Sexismus? Wow, das ist eine Leistung. Das ändert natürlich alles. Ein
sexistisches Spiel ist also nur eines, welches ausschließlich (!) zum
Inhalt hat, dass eine oder mehrere Frauen geschlagen, verkauft oder
schlimmeres werden. Das ist eine super Sache, weil so können wir
eigentlich jede Kritik bleiben lassen, denn die ganze Welt ist ein
einziger komplexer Zusammenhang, und jede Scheiße, die so
gesellschaftlich passiert, lässt sich nie so recht auf eine einzige
Ursache runterbrechen. Puh, Glück gehabt – diese Aktivist*innen
spinnen doch alle, die bilden sich das alles nur ein.
Dass Anita Sarkeesian in jedem ihrer Videos betont, dass ein Spiel,
welches Sexismus enthält, nicht gleich ein schlechtes Spiel ist, dass
es für sie und für viele andere Menschen kein Widerspruch ist, ein
Spiel zu mögen und gleichzeitig zu kritisieren, all das kann getrost
ignoriert werden – das ist bestimmt auch wieder nur so eine
‘manipulative’ Strategie, um uns zu irritieren!!!

“Beispielsweise sind die meisten Rollenspiele auf weibliche und
männliche Spieler ausgelegt.”
— Potzblitz: Da schaffen es einige AAA+ Entwickler wie Bioware oder
Bethesda (nicht zu vergessen zahlreiche Indie-Schuppen, die kennen ja
auch *alle*!), in so ziemlich dem einzigen Genre, in welchem es per
Definition um eine ‘Spiel-wen-oder-was-du-willst’-Erfahrung geht,
beide Geschlechter angemessen zu berücksichtigen. Damit ist
schlagartig die gesamte Branche immun gegen jede Art von
Sexismusvorwurf! Geniales Argument!

“Es werden zwar durchaus noch Stereotype bedient – allerdings sowohl
auf weiblicher als auch männlicher Seite.” // “Dazu kommt: Eine
Debatte nur über Sexismus in Spielen? Was ist mit Gewalt? Rassismus?”
— Ich werd verrückt: Männer werden *auch* oft stereotypisiert? Und
es gibt auch Rassismus? Und Gewalt? Das macht die Stereotypisierung
von Frauen ja gleich viel weniger problematisch! Ich weiß, manche
Spinner*innen würden jetzt wahrscheinlich sagen: ‘Ja dann lass uns
doch mehr Spiele wünschen oder machen, in denen es mehr Vielfalt
sowohl für männliche als auch weibliche oder weder-noch-Figuren gibt,
in der Hautfarbe keine Festlegung auf eine Rolle bedeutet und in
denen Gewalt mal kein oder zumindest nicht das einzige Mittel ist” –
aber das wäre wieder so krass politisch korrekte Unterdrückung, weil
um sich mal wieder richtig austoben zu können (dieses Bedürfnis
dürfen entsprechend bei aller Toleranz natürlich auch nur oftmals
weiße, heterosexuelle Männer zwischen 12 und 49 haben!) braucht es
eben doch mitunter einfachste Bilder in all den ‘tiefschichtigen’
Handlunggsträngen, das ist wohl nachvollziehbar!

Aber das dickste, grundlegendste Argument von allen wurde von Martin
Fischer gar nicht genannt, das finde ich ein wenig schade. Es ist
nämlich zweifelsfrei so: Die Spielewelt ist klein, viel zu klein. Es
gibt zu wenig Spiele. Alle, welche sich mit den paar Spielen, die es
so gibt, beschäftigen sind gezwungen, alles von allen darüber zu
lesen, und sich dazu zu positionieren. Und das allerschlimmste: Wenn
diese schlimme Feminist*innen zu viel Gehör bekommen, dann gibt es am
Ende tatsächlich ein paar Spiele mit mehr Vielfalt, und die *müssen*
dann alle spielen, weil es gibt ja dann nichts anderes mehr! Die
guten alten unkritisch sexistischen Games traut sich dann auch keiner
mehr zu machen, weil sie die bösen Videos von Anita Sarkeesian
fürchten (diese Videos kommen nämlich mit eingebautem
Zensurgesetzhammer, Anita Sarkeesian braucht nur der geheimen
feministischen Weltregierung einen Wink zu geben und schwups sind
alle eure Lieblingsspiele futsch!!) Das wäre der Untergang der
gesamten Branche. Dann spielen alle nur noch Tetris (aber mit lila
Blöcken). Das kann keiner wollen, also, um Himmels willen, liebe
Leute, lasst das nicht zu. Rettet euer Hobby, eure Leidenschaft vor
diesem unbarmherzigen Kreuzzug und vergesst diese Zeiten nicht, in
denen ihr brutalste Unterdrückung fürchten musstet von ein paar
Menschen, die meinten, ein Spiel sei wie jedes andere Medium in
seinen Inhalten und Aussagen kritisierbar.

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Kommentar zu Matussek

[[Hier etwas ausgefeilter, aber sicher auch nicht perfekt. Im Kommentar auf der Seite da ( http://www.welt.de/debatte/kommentare/article124792188/Ich-bin-wohl-homophob-Und-das-ist-auch-gut-so.html ) bin ich dooferweise erst mal auf den Pantoffeltierchen-Blödsinn eingestiegen, was Unsinn ist. EDIT: Hat sich erledigt, Kommentare wurden geschlossen und meiner nich freigeschaltet.]]

“Ich lasse mir meine Gedankenfreiheit nicht nehmen” — Herr Matussek, weder Ihnen sonst irgendwem wird der Mund verboten. Die Tatsache, dass möglicherweise lautstark kritisiert wird, was sie sagen, besonders wenn es selten dämliches Zeug ist, hat nichts mit dem Entzug von Gedanken- oder Redefreiheit zu tun. Kritik ist das Gegenteil von Zensur. Sollten Sie bei dem was Sie so machen eigentlich wissen.
Anscheinend hindert sie das aber nicht daran, das billige “das wird man doch wohl noch sagen dürfen” aus der Mottenkiste rhetorischer Tricks hervorzukramen und als ein Argument dafür zu präsentieren, dass das, was man da “noch sagen darf”, auch sofort Hand und Fuß hat.

Dass es Homosexualität in der Natur beileibe nicht nur im Bereich der Pantoffeltierchen sondern auch und vor allem bei Säugetieren und Primaten gibt – geschenkt, denn es bedarf keiner unsinnigen Vergleiche mit dem Tierreich, um menschliches Handeln zu beurteilen, weil der ganze blöde Anspruch auf ‘Natürlichkeit’ schon ein frei erfundener wie falscher ist. Wenn es Ihnen gelingen sollte, ‘natürlich’ zu definieren als ‘etwas laufen lassen wie es läuft’ (was ja sehr akzeptierend wäre gegenüber allem Leben), und dafür nicht Ihre offensichtliche Vorstellung von ‘natürlich’ (nämlich: gottgewollt bzw. so wie ich das will’) heranzögen, wäre einiges für Ihren Horizont gewonnen.

Und dass jemand, der alles homosexuelle ‘verbindlich’ abzuwerten versucht (also über die Frage, ob das was für die eigene Person wäre, hinausgehend), ein deutliches politisches Interesse hat, dieses möglichst einzuschränken (was mittels Pathologisierungen am besten geht, weil dann geht das noch über die schön christlich-mitfühlende Schiene), liegt auf der Hand.
Am Ende noch ein hübscher Zirkelschluss: Dass ‘die homosexuelle Liebe defizitär weil kinderlos bleibt’, hat zur Vorbedingung, dass die aufzuziehenden Kinder die selbst gezeugten / geborenen sein müssen (und dass Kinder überhaupt Bedingung für die ‘wahre’ Liebe sind) Dass bedeutet dann wiederum, dass es homosexuellen Menschen verboten bleiben muss, Kinder großzuziehen, denn wo kämen wir da hin wenn alle Beziehungen die nicht in ihr Ideal passen auf diesem Wege gar doch weniger ‘defizitär’ würden!

Sie merken es hoffentlich irgendwann selbst, Herr Matussek – ihre Argumentationen entspringen keiner zwingenden Logik, keinem ‘neutral’ beurteiltem Sachverhalt. Es ist ihr eindeutiges *Interesse*, homosexuelles Leben abzuwerten. Ihre offensichtlich ‘ironische’ Form der Selbstbezichtigung offenbart so tatsächlich alles, was über ihre Haltung diesbezüglich zu wissen ist.

[[Edit: Noch bißchen rumgerückt und gelöscht.]]

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Warum ich zur Zeit selten was retweete

Heute morgen las ich einen Retweet mit dem Inhalt, dass auf Twitter faven ohne RT so viel bedeutete wie “Ich find das gut was du machst aber ich möchte nicht, dass du damit Erfolg hast”.

Ich erwiderte darauf hin so viel wie “Wenn ich in meiner sprunghaften* TL etwas RTe laufe ich Gefahr, ein ‘Ich möchte User xyz nicht in meiner TL’ zu lesen zu bekommen.”

(*im Original nannte ich es ‘volatile’, weil Englisch.)

Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich möchte, dass mir nur “coole Leute” folgen während ich in deren Augen “uncoole Leute” promoten kann. Und kurz darauf noch über die Verwendung von “volatile”: Ob die Leute in meiner TL alle nur wankelmütig seien und keinen Grund für ihre Meinung hätten.

Die Antwort im Rahmen dieses Blogposts richtet sich nicht in erster Linie an die Person, die mich das gefragt hat. Das hier soll auch keine Rechtfertigung und keine Anklage oder sonst was sein. Es ist einfach nur ‘ne Erklärung meines derzeitigen Verhaltens auf Twitter, für die, die es interessiert.

Nein, es geht mir nicht um „coole“ oder „uncoole“ Leute. Es geht mir um vergangene und laufende Streits oder kalten Krieg zwischen Leuten deren Ansichten und Empfindungen mir mittlerweile allesamt wichtig sind, und die im Ende in meinen Augen dasselbe wollen, aber unterschiedliche Ideen darüber haben, welche Bedingungen dafür die „eigentlich wesentlichen“ sind. Oder die sich gegenseitig meiner Wahrnehmung nach permanent darin missverstehen, welche angeblich alleingültigen Zusammenhänge die jeweils anderen behaupten oder nicht.

Und solche Streits können, so wie ich es empfinde, für die jeweils Beteiligten zerstörerischer oder einfach nur zeit- und energieraubender sein als jede Auseinandersetzung mit ‚echten‘ politischen GegnerInnen. Das führt nach gegenseitigen Verletzungen zu gegenseitigen Entfolgungen und zu gegenseitigen Erklärungen dass die jeweils anderen unmöglich sind und bitte nicht in die eigene TL sollen. Von da aus wird dann übergegangen zu Mutes und Blocks und was es noch alles geben mag.

Und da ich für mich keinen Weg sehe, so etwas auf Twitter zu lösen, lasse ich es auch nicht darauf ankommen, selber Diskussionen oder Listen darüber anzufangen zu müssen wer für wen als Person okay ist oder nicht, und wen ich RTen darf und wen nicht. Gleichzeitig lege ich eben auch keinen Wert darauf, von irgendwem entfolgt zu werden.

Ich hab eine längere Twitterpause gebraucht um dann nach meiner Rückkehr bislang diese Haltung einzunehmen. Vielleicht bin ich da auch einfach etwas sehr zartbesaitet oder mach es mir zu kompliziert. Wenn jemand da Tipps hat, gerne.

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Kritik anbringen und Verständnis für falsche Gedanken

Es geht mal wieder im weitesten Sinn um Diskussionskultur, wie meist, wenn ich alle Jubelzeiten mal was hier schreibe.
Anlass war unter anderem ein kleiner Austausch vor einer ganzen Weile mit @ifa_wartburg, wo auch zwischendurch kurz gefragt wurde, welchen Nutzen es denn haben soll, Verständnis gegenüber falschen Ansichten zu entwickeln und zu bekunden.

Das mag nun ein wenig trivial klingen, aber: Ich versuche bei Debatten möglichst, den Standpunkt meines Gegenübers in dessen Gedankengang zu verstehen. Auch wenn er mir erst mal grundfalsch erscheint und danach immer noch: Ich möchte gern eine Idee davon haben, wie eins zu dem Zeug gekommen ist, was ich da kritisieren will. Das hilft mir nämlich nicht nur, künftig selber ähnliche Denkfehler dieser Art zu vermeiden sondern sie auch schneller zu erkennen, wenn jemand anderes sie macht. So entsteht dann auch weit mehr als nur ein “Katalog zur Behandlung gängiger Einwände” zu den konkreten Themen und Positionen, die *mich* beschäftigen, sondern darüber hinaus auch eine Vorstellung davon, welche Arten von Fehlern die Leute in Diskussion und Gedanken zu allen möglichen Themen immer wieder zu machen scheinen. Klappt also themenübergreifend.

Diese Art ‘Verständnis’ hat aber nicht das geringste damit zu tun, dass mir ein übler Fehler dann egal wäre oder ich einen falschen Standpunkt in einer Debatte trotz besseren Wissens abnicken würde. Im Gegenteil: Umso treffsicherer fällt nämlich dann im besten Fall die Kritik an dem Gesagten aus, und die Art und Weise, wie sie eingeleitet, rübergebracht und abgeschlossen wird.

Es hilft mir bei der Vermittlung eines Arguments erfahrungsgemäß, das Gegenüber wissen zu lassen, dass ich ihren Gedankengang inhaltlich (also eben NICHT nur in Form einer ritualisiert vorausgeschobenen ‘ich verstehe dich’-Floskel!) nachvollziehen kann, auch wenn ich ihn anschließend ab einem bestimmten Punkt als falsch kritisieren möchte – das bekundet nämlich auch auf einer dieser berühmten ‘anderen’ Ebenen der Kommunikation (es gibt tatsächlich nicht nur die des theoretischen Rechthabens) ein zumindest grundlegendes Interesse an einer möglichst nicht von Beleidigungen und Verletzungen geprägten Gesprächsbeziehung zu meinem Gegenüber – und die ist Voraussetzung dafür, dass ich überhaupt irgendetwas vermitteln kann. Wenn ich darauf scheiße, scheiße ich auch auf meine richtigen Argumente, zumindest insofern es um deren Verbreitung geht und nicht nur um meine Gewissheit, ganz sicher ganz recht damit zu haben.

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Verständlichkeitsforderungen und Selbstausschlüsse

Abteilung “aus einem Kommentar wird dann doch lieber ein eigener Blogpost”. Heute fand ich in meiner Twitter-TL http://regenbogenmaschine.wordpress.com/2013/03/25/was-isn-eigentlich-dieses-klassismus/ vor, einen Text über “Klassismus”, in welchem unter anderem über die “schwer zugängliche Sprache” und die “Privilegiertheit” der Autor*innen solcher Texte gesprochen wird.

Zum Thema “Verständlichkeit” möchte ich gern versuchen, die andere Seite dieser als “klassistisch” bezeichneten Mauer zu beleuchten, die hier anscheinend errichtet wird. Nicht nur als spezielle Kritik an diesem Text da – sondern weil ich so etwas mittlerweile sehr oft lese und mitbekomme und mich dann doch mal bemüßigt fühl, was dazu zu sagen.

Nehmen wir also mal an, es gibt Gemüter, die sich allein an Fremdwortwahl und “akademischen Geseiere” schon so sehr stören, dass ihr Interesse nicht mehr ausreicht, um z.B. einfach mal bei der Autorin oder anderen Lesern nachzufragen: “Gibt’s das hier auch in einfacher? Erklärt mir das bitte wer?”, sondern in dem Bedürfnis, es erklärt zu bekommen direkt auch immer schon die Ablehnung mitschwingt: “Die da *kann* nix gescheites geschrieben haben, weil *ich* es nun mal nicht auf Anhieb versteh.” Der Inhalt wird also bereits anhand der Form schlechtgemacht.

Warum genau soll sich da jemand schon beim Schreiben die Mühe machen, einem solchen mit verschränkten Armen vorgetragenem Bedürfnis nach mehr Verständlichkeit vorauseilend entgegenzukommen?
Das Schimpfen auf wie auch immer geartete Ausdrucksweisen kann ein bequemer Weg sein, sich selbst von vielleicht als zu schwierig wahrgenommenen Debatten (am Ende auch noch mit als schwierig geltenden Personen, iihbäh!) auszuschließen — und diesen Ausschluss dann selbstverständlich den mal eben (ohne nähere Kenntnis der jeweiligen Person) als ‘privilegiert’ bezeichneten Autorinnen unterzujubeln. Und die ‘freut’ sich dann über solche blödsinnigen Urteile dann auch immer sehr, fragt z.B. mal die @sanczny: http://sanczny.wordpress.com/2013/03/12/dear-mr-capitalist/

Ich selbst drücke mich übrigens äußerst gern verständlich aus und weiß leicht zugängliche Texte und Reden sehr zu schätzen. Aber ich sehe es ganz sicher nicht als mein Recht an, alles so serviert zu bekommen wie *ich* das am liebsten hab, oder dass andere zu *mir* kommen, mich nach *meinen* Interessen fragen und *mir* diese bequem hinterhertragen. Wenn ich mich wirklich ernsthaft verbinden und austauschen will, dann erwarte ich nicht, ‘abgeholt’ zu werden, dann gehe ich verflixt noch eins auf die Leut zu, die mich interessieren! Und auch wenn’s so läuft, dass ich erst mal alles, was ich so an Gedanken mitbringe dort um die Ohren gehaun bekomme, weil’s nun mal möglicherweise falsch oder schief argumentiert ist, dann bleib ich trotzdem dran, wenn mich die Argumente im größeren Maße überzeugen als mich der Ton und die Art vielleicht abstoßen. Ich muss die Leute, von denen ich was lernen und mit denen ich vielleicht was bewegen will, ja nicht liebhaben! Das ist zwar sehr schön, wenn’s so ist, aber keine Notwendigkeit.

Also: Wer Verständlichkeit einfordert, wer immer alles in mundgerechten, leicht verdaulichen Happen serviert bekommen möchte statt sich mal selber an den Herd zu stellen und zu gucken, was aus den mitunter schwerverdaulichen Zutaten halt gemacht werden kann (gern auch mit Hilfe anderer, wenn er sie fragt!) der wird wohl immer bei Fastfood der Marke “FrissDas!(tm)” bleiben müssen. Unabhängig von der persönlichen Übung und Erfahrung darin: Der bloße *Wille* erst einmal, den eigenen Grips zu benutzen und zu schärfen, Texte zu entschlüsseln (und mitunter sind’s ja auch die leicht zu lesenden die den schlimmsten Scheiß enthalten), das Geschwurbel von Handfestem zu unterscheiden hat eben *nix* zwangsläufig damit zu tun, ob wer eine Uni von innen gesehen hat oder nicht. Ich kenn zu viele sich saudumm äußernde Akademiker und blitzgescheit argumentierende Nichtakademikerinnen, um was anderes zu glauben.

(Übrigens: Auf einige mag es vielleicht so wirken, als habe ich hier eine komplette Kehrtwende zu dem vollzogen, was ich in meinem allerersten Blogpost so schrieb. Ist aber bei weitem nicht so. Erstens ging es in diesem Text um den Wunsch nach mehr präziser Kritik statt Lagerzuschreibungen und -anfeindungen, und in den Kommentaren damals hatte Helga maßgeblich dazu beigetragen, dass meine sich auch zu diesem Thema recht enge und naive Sicht ein Stück erweitert wurde.)

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Lieber Abstreiten als gar kein Echo

[Um dem womöglich zu erwartenden Leistungsschutzrecht bereits heute entgegenzukommen verzichte ich hier auf Links und Namennennungen zu den Beiträgen der Online-Ausgabe einer Tageszeitung, auf welche ich mich hier beziehe. ^^]

Ich bin erst seit relativ kurzer Zeit ‘dabei’, vergebt mir also meine eventuelle Naivität in dieser Hinsicht. Das wird auch ein eher emotionaler kleiner Text jetzt. Kritik immer gerne (siehe aber Nachtrag unten).

Wir erleben meinem Eindruck nach im Moment auf gesellschaftlicher bzw. massenmedialer Ebene die erste Reaktion eines Menschen, dem gesagt wird, sein Verhalten und seine Äußerungen seien sexistisch. Nämlich: Abstreiten. Das sei alles gar nicht so gemeint, sei nicht so schlimm, es gäbe ja viel schlimmeres woanders, man sei doch kein Sexist (-> http://endolex.wordpress.com/2012/06/14/nichtsexisten-und-sexismuskritik-uber-absichten-absichtsvermutungen-und-entgleisungen/ ) und überhaupt, dann wehrt euch doch, begleitet von munterem Beifall aus den immer gleichen Ecken. Oft schon so erlebt, nur jetzt eben in größerem Maßstab.
Kein Grund für Ernüchterung oder Resignation, im Gegenteil. Wer abstreitet, macht zumindest annähernd so etwas wie zuhören statt zu ignorieren. Und das war und ist der erste Schritt eines Dialoges mit annähernd so etwas wie Erfolgsaussicht.

Das gilt eigentlich immer, aber jetzt, zu Zeiten des vielfach wahrgenommenen ‘Backlashes’ umso mehr: Jeder Kommentar, jeder Einwand zählt, wie ich glaube. Auf der Arbeit, in Kommentarspalten, auf der Straße, auf Twitter (auch innerhalb meiner Bubble gibt es Skeptiker). Und gerade im Fall von Journalist*innen, welche sich als stark und AufKeinenFallOpferSeinWollen geben möchten (oder bei weißen alten Männern, die den Sexismusbegriff von Banalisierung bedroht sehen), ist es vermutlich entscheidend, genügend Stimmen in Kommentaren sichtbar zu machen, welche zeigen, dass eine erhöhte Wehrhaftigkeit gegenüber sexistischen Äußerungen und Übergriffen nur eine Seite des ganzen sein kann. Dass es nicht ohne Kritik an dem übergriffigen Verhalten und folglich dessen Änderung geht.

Zum ersten Mal relativiere ich an der Stelle meine sonstigen ‘Prinzipien’ und würde sagen, dass eine umfassend und ‘sachlich’ dargelegte Argumentation (meist eh nach dem priviligerten Maßstab der “Überzeug mich doch mal logisch!”-Sager) zwar wünschenswert, die unbedingte Positionierung und Solidarisierung mit dem Kern von #aufschrei augenblicklich aber noch viel wesentlicher ist. Gerade damit die Wahrnehmung, die Kritik käme nur von vergleichsweise wenigen und nicht ernstzunehmenden Menschen, nicht haltbar ist.

Und ein Tipp noch gegen die Frustration: Es kommt zwar durchaus mal zwar vor, dass jemand in einer Diskussion (ob im Netz oder ‘live’) eine 180°-Wende vollzieht, was seine Positionierung zu Sexismus angeht – aber zu erwarten ist das sicher nicht. Nur: “Die Diskussion ist nicht zuende, auch wenn das Gespräch vorbei ist. Das Gesagte wirkt nach.” (K.P. Hufer, ‘Argumente am Stammtisch’).
Ich selbst fange z.B. in Kommentarspalten nach Möglichkeit gar keine Diskussionen mehr an. Ein Text, ein saftiger Kommentar. Fertig. Alles andere ist (wohl nicht nur) mir zu unübersichtlich. Echte Diskussionen finden für mich woanders statt. Es geht um Präsenz.

Nachtrag — Vor dem Kommentieren bitte bedenken: Ich werde hier nicht über Sinn oder Unsinn von #aufschrei debattieren oder darüber, was Sexismus ist. Bleibt am Inhalt dieses Textes hier. Danke. ;)

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Das Ende der ‘Spätis’, Foodsharing und Privatverkauf

[Achtung, Disclaimer: Arg stream of consciousness-lastiger Blogpost. Nix strukturiertes oder gar durchdachtes.]

Ich und meine groooße Klappe!

Heute ging nun die Nachricht, dass in Berlin die sogenannten “Spätis” sonntags nicht mehr verkaufen dürfen (bzw. dass der Versuch, die Sonntagsverkäufe zu legalisieren, eingestellt wird): http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-ladenoeffnungsgesetz-sonntags-bleibt-der-spaeti-geschlossen,10809148,17226218.html

Auf Twitter gab es (in meiner bescheidenen kleinen Timeline) entsprechend frustriertes Klagen, und ich als Nichtberliner Bonner, der den Komfort von Sonntagsläden ja gar nicht kennt (und entsprechend auch nicht vermissen wird) nahm mir heraus, ein paar vage Tweets zu Lebensmittelprivatverkaufsnetzwerken und ÜberflüssigeLebensMittelWegWerfVermeidungsNetzwerken abzulassen.

Der @plomplomplom las das und forderte mich auf, ich möge mir doch da ein paar konkretere Gedanken machen, worin ich zähneknirschend einwilligte. Glücklicherweise twitterte etwas später auch noch Katja Dathe von den Berliner Piraten:

Also schein ich wohl nicht der einzige mit diesen Ideen zu sein, welche ich hier mal kurz umreißen möchte.

Im Grunde sind es zwei voneinander vllt. eher unabhängig zu sehende Ideen, spontanem Hunger zu begegnen ohne auf Öffnungszeiten angewiesen zu sein, zumindest würde ich es so betrachten. Der mir eigentlich vielversprechendere Ansatz wäre das oben kurz per Tweet beschriebene “omnomnetz”, welches überflüssiges Essen schnell und direkt verteilen kann, statt es einzufrieren oder gar wegzuwerfen. Aber wie ich durch kurzes Googeln gerade sehe, gibt es ein Projekt namens foodsharing.de, welches das bereits hervorragend in Angriff nimmt, wie ich glaube! Meine Spende folgt umgehend.

Die andere, davon m.E. losgelöst zu betrachtende Idee, welche mehr in Richtung des Vorschlages von Katja geht, wäre eben eine stark lokalisierte und nach Vereinsprinzip funktionierendes Verkaufsnetzwerk von Lebensmittelwaren. Wie das genau funktionieren kann – da bin ich selbst gerade am Grübeln.
In Bonn gibt es ja z.B. den Partynotdienst alcoman.de, der auch bis zwei Uhr nachts allerlei zu Futtern ranbringt, wenn alle Läden (in Bonn) bereits zu haben, aber auch das hängt dann wieder von einem einzelnen Menschen ab, der bereit ist, sich für andere in den Verkehr zu schlagen. Privater Wohnungsverkauf? Auch dafür müsste man jemanden wachklingeln bzw. müsste der jeweilige Privatverkäufer der jeweiligen App melden, ob er grad ansprechbar ist oder nicht.
Bliebe höchstens noch eine Art Vereinshaus, in das Mitglieder jederzeit Zutritt haben, mit einer Kasse des Vertrauens. Nur: wer kauft im großen Stil ein, schafft es dann an einen bestimmten Ort, nur um dann später mal bei Bedarf was rüberholen zu können? Da wird das ganze dann schon wieder etwas absurd, in meiner Vorstellung – jedenfalls dann, wenn der Verein allein diesen Zweck haben soll.

Naja, das mir eigentlich auch wesentlich wichtiger erscheinende Anliegen “omnomnetz” ist jedenfalls mit foodsharing.de bereits am Start, und ich selbst brauch ja wie gesagt Spätis nicht unbedingt. Falls ihr das anders seht – macht euch halt selber Gedanken, ihr verwöhnten Hauptstadtkinder. ;)

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